China, Peking
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Auf zur Großen Mauer

Wer nur wenige Tage in Peking verbringt und daher gleich mehrere Sehenswürdigkeiten auf einen Streich erledigen möchte, könnte versucht sein, sich einer der vielen angebotenen Touren zur Chinesischen Mauer anzuschließen, die zudem oft gleich noch mehr Punkte anfahren. Die in unserem Hostel angebotene Tour bat nebenbei noch die Ming-Gräber, eine Jademanufaktur und Seidenfabrik sowie das unscheinbare Wörtchen „Shoppingtour“. Natürlich sparte diese Möglichkeit bares Geld gegenüber dem einzelnen Anfahren der Sehenswürdigkeiten ein – wir möchten aber an dieser Stelle zumindest warnen, wenn auch nicht gänzlich abraten.

Wir haben im August 2012 an einer solchen Tour teilgenommen, die sich aber schnell als getarnte Butterfahrt entpuppte. Erste Station: Jademanufaktur. Hier erfuhr man sehr komprimiert etwas über die Herstellung von Schmuck und sonstigen nützlichen oder weniger nützlichen Gegenständen aus dem kostbaren Material. Wir landeten kurze Zeit später in einem gigantischen Verkaufssaal, in dem es vom Ohrring bis zum zwei Meter langen Schiff aus Jade alles gab, was man sich vorstellen kann. Es war wirklich beeindruckend, wie kunstfertig die Ausstellungsstücke gefertigt waren und insgesamt auch wirklich ganz nett – wenn man nicht dazu gezwungen gewesen wäre, dort eine ganze Stunde zu verweilen, vorher fuhr der kleine Bus nämlich nicht weiter.

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Nächster Anlaufpunkt waren die ca. 50 km außerhalb Pekings gelegenen Ming-Gräber. Wir wurden zu einem von insgesamt 13 Gräbern geführt und bekamen hier eine kurze Führung. Was wir sahen war wirklich beeindruckend, aber wir erhielten leider nicht genug Zeit, um uns weiter umzuschauen. Dabei hätte es noch so viel zu sehen gegeben, denn das Gelände schien riesig zu sein. Uns blieb nur ein Blick von einem Hügel auf die anderen weitläufigen Grabanlagen. Nach einer knappen Stunde mussten wir dann weiter und zurück in unseren kleinen Bus. großen Geländes.

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Danach ging es zur ersehnten Großen Mauer, in unserem Fall zum Teilabschnitt „Mutianyu“. Es gibt zahlreiche besser und weniger gut erhaltene Abschnitte, die auch sehr unterschiedlich von Touristen frequentiert sind. „Mutianyu“ ist einer der Hauptanlaufpunkte und gut ausgebaut. Ein Sessellift fuhr uns hinauf, wo wir bei ca. 500°C (im Schatten) und 100% Luftfeuchtigkeit die Mauer hoch und runter wanderten. Ganz schön beeindruckend, aber leider auch ganz schön warm. Im Abstand von vielleicht 100 Metern waren kleine Wachtürme, die etwas Schatten boten und entsprechend voll waren. Runter ging es dann mit – ja, tatsächlich! – einer Sommerrodelbahn! Wer kam bitte auf diese Idee, neben dem historischen Bauwerk so etwas aufzubauen? Egal, wir möchten uns bei ihr oder ihm für die spaßige Abfahrt und die tolle Aussicht ganz herzlich bedanken.

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So, nun aber lang genug gegafft, liebe Touristen! Jetzt geht es endlich wieder ans Shoppen!

Der nächste Stopp war eine Seidenfabrik. Auch hier wieder ein ähnliches Bild: eine Art Mini-Museum zum Anfixen, das einen über die Besonderheiten aufklärte und warum alles ganz besonders toll und an diesem Ort gekauft werden sollte. Ab ins Kaufgetümmel! Für die Seide werden die Seidenraupen übrigens während der Verpuppung ins Wasser eingelegt, wo sie vor sich hingammeln und ihr kostbares Kleid schön weich wird. Dann kann man die Raupen aus dem Kokon pellen und die Fäden zu Seide verarbeiten. Gleichzeitig zieht man die gammelnden und stinkenden Tiere raus – und wenn man etwas Glück hat, schiebt sich die Tourführerin im Vorbeigehen eine Gammelraupe als Snack rein und betont noch, wie gut sie schmecken würden. Wer besonders abenteuerlustig ist, der darf natürlich auch zugreifen. Wer wollte konnte sich aus dem reichhaltigen Arsenal an Seidenprodukte arm kaufen. Wir verzichteten.

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So, und um den Tag nun so richtig schön abzurunden ging es zum Ende wohin? Genau, zur nächsten Shopping-Station, dieses Mal ein Teehaus. Eine durchaus bezaubernde junge Chinesin führte uns charmant mehrere Teesorten vor, die sie traditionell zubereitete und uns zum Probieren reichte. Es war schon lecker und die „Zeremonie“ hatte auch etwas für sich. Leider endete es aber so, wie die anderen Stationen: „Which one do you want?“, fragte uns die junge Chinesin direkt. Moment, wer hatte denn gesagt, dass wir hier einen dieser überteuerten Tees kaufen wollen? Also lehnten wir dankend ab. Sie aber ließ nicht so einfach locker und fragte noch einige Male, immer aufdringlicher und bestimmter, nach. So ging es noch ein paar Mal hin und her, bis sie entnervt und nicht mehr so freundlich akzeptierte. Zur Aufheiterung der gemütlichen Butterfahrt hatte die Ablehnung jedenfalls nicht beigetragen.

Letztlich kommt man wahrscheinlich als Individualreisender nicht günstiger und bequemer zur Großen Mauer und den Ming-Gräbern, als mit einer solchen Tour. Diese hat ohne Frage ihre guten und negativen Seiten. Aber ein Erlebnis war es allemal. Wer aber etwas mehr Zeit mitbringt, dem würden wir deutlich längere Ausflüge zu den Gräbern und der Mauer empfehlen.

(gesehen im August 2012 – die Wertung gilt für die aufgeführte Tour, nicht für die einzelnen Ziele)

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