Belarus/Weißrussland, Minsk
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Gedanken zu…
Minsk

„Mir tat es Leid um dieses Viertel, in dem es nach einfachem, warmem, menschlichem Alltag roch. […] Ich verstand nicht, warum der Leib der alten Stadt getötet wurde, denn Njamiha war der Leib der alten Stadt Minsk. Ohne ihn zerfiel Minsk in zersplitterte Vorstädte, spaltete sich, wurde zum Gespenst.“ (Artur Klinau: Minsk Sonnenstadt der Träume, S.87)

Klinau hat Recht. Minsk ist tot, schön aber tot. Im Hochzeitskleid beerdigt, wie ein weißrussisches Mädchen, das vor der Hochzeit starb – schön, aber leblos und starr. Ein Gespenst. Die Ruhe der Stadt und ihre schiere Weite sind gespenstisch. Die Menschen verlieren sich in den breiten Straßen, werden zwischen den riesigen Palästen und kolossalen Gebäuden zur Nebensache. Werden entindividualisiert, der Einzelne allein ist nicht wichtig. Konform zur Ideologie der Erbauer zählt nur die Gemeinschaft, nur sie kann in dieser Stadt überhaupt wahrgenommen werden, alle anderen sind verloren. So wirkt die Stadt, trotz ihrer zwei Millionen Einwohner, seltsam leblos. Kein Gewusel, kein lautes Wort, kein Stau. Kein Anzeichen, dass hier viele Menschen zusammen leben und jegliche Kreativität scheint seltsam erstickt, gelangt nicht an die Oberfläche. Das Stadtbild bleibt von den Menschen unbeeinflusst. Das Leben spielt in den Hinterhöfen. Die Öffentlichkeit ist nicht öffentlich, das Leben versteckt sich.

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