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Geheime sowjetische U-Boot-Station in Estland

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“Weiß jemand, was das sein könnte?”, fragt unser Tour-Guide Martin. Wir stehen an der Ostsee und direkt an einem Koloss aus Beton und Stahl, der sich über 200 Meter ins Meer schiebt. “Etwas Militärisches” vermutet einer – richtig. “Hat es etwas mit U-Booten zu tun?”, fragt ein anderer – ebenfalls richtig. Nur was genau passierte hier? Für eine Werft ist die Anlage dann doch deutlich zu klein.

Auf unserer Tages-Tour aus Tallinn fuhren wir verschiedene Ziele im und rund um den Lahemaa-Nationalpark an – eine davon war diese streng geheime U-Boot-Station mit uns noch nicht bekannter Funktion. Bei schönstem Sommerwetter stehen wir nun an der Ostsee und haben einen tollen Ausblick, einzig unterbrochen durch die große Ruine aus Beton vor uns. Diese Station war natürlich zu den Zeiten der sowjetischen Okkupation Estlands absolutes Sperrgebiet – so wie die ganze Ostseeküste. Dazu kommt, dass Anlagen wie diese auf keiner offiziellen Karte vermerkt waren.

Als wir über die Ruine laufen, sind an vielen Stellen Graffiti zu sehen. Ein besonders aufwendiges ist ganz frisch, wie unser Guide uns wissen lässt: “Das hier war letzte Woche noch nicht da”, wie aber die Aussage “Eesti Klassika“ (estnischer Klassiker) zu deuten sei, könne er beim besten Willen nicht erklären, zumal auf einer alten sowjetischen Anlage.Hara- Submarine-Station

Was wir hier besuchen, ist eine streng geheime militärische Einrichtung mit Seltenheitswert, eine so genannte “Entmagnetisierungs-Station” für U-Boote. Wir stehen in einer von insgesamt nur zwei dieser Exemplare, die es in der ganzen Sowjetunion gab. Zur Erklärung: U-Boote laden sich (wie alle anderen Schiffe auch) bei ihren Fahrten durch das Erdmagnetfeld magnetisch auf, wie wir erfuhren. Das wiederum macht es für Radar sichtbar und vor allem für Magnetminen anfällig. Gänzlich ungeeinet also für eine unbemerkte Spionage. Daher mussten die U-Boote regelmäßig in einer Anlage wie dieser entmagnetisiert werden. Hier wurden die Boote aus dem Wasser gehoben und riesigen Wechsel-Magnetfeldern ausgesetzt, die die bestehende magnetische Ausrichtung sozusagen aufgehoben haben – so zumindest haben wir es als Laien verstanden.

Unbedingt ein Besuch wert

Heute ist die zwischen 1956 und 1958 erbaute Anlage noch eine beeindruckende Ruine, die auch auf die Größe der damaligen U-Boote Rückschlüsse zulässt. Auf jeden Fall gibt sie eine fantastische Kulisse für Fotos ab und ist auch bei Grafitti-Künstler sehr beliebt.

Wer die Station besuchen möchte, findet sie circa eine Stunde mit dem Auto östlich von Tallinn und natürlich am Meer in der Nähe des Örtchens Hara. Wer nicht mit eigenem Gefährt unterwegs ist, dem können wir wärmstens die “Lahemaa National Park”-Tour empfehlen, mit der wir dort waren. Dort sehr ihr gleich noch einiges mehr vom Nationalpark. Mehr Infos dazu findet ihr bei Interesse unter www.traveller.ee.

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2 Kommentare

  1. Rudi Grichtmaier sagt

    Servus zusammen, war heute auf dem Territorium, wirklich sehenswert.

    Zwei Tipps zum Hinkommen. Ins Navi (59,586N; 25,61E) eingeben, dann kommt ihr direkt hin. Allerdings frühren die letzten 900 m. über die alte Militärstraße, die offiziell gesperrt ist. Das interessiert hier aber niemand, jeder befährt die Straße bis zum Ende, dann ist man direkt an dem gewünschten Gelände!

    Viel Spaß und aufpassen, dass man sich nicht an den alten verrotteten Betonteilen verletzt!
    Rudi

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