Belarus/Weißrussland, Gedenkstätten, Minsk
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Nationale Gedenkstätte der Republik Belarus: Chatyn

Chatyn ist eine Gedenkstätte für  die 5.295 belarussischen Dörfer, die von deutschen Soldaten durch die Taktik der verbrannten Erde ausgelöscht wurden, für die Opfer des Zweiten Weltkrieges, in dem jeder vierte Einwohner Belarus‘ starb und die Opfer des großen Vaterländischen Krieges.

Am 22. März 1943 wurde das Dorf Chatyn mit fast allen seinen Einwohnern niedergebrannt. Dazu sperrten die deutschen Soldaten alle anwesenden Einwohner, bis auf drei Kinder, die sich verstecken konnten, in die Scheune und zündeten sie an. Es überlebten nur drei Menschen von 149. Anstelle der 25 Häuser stehen heute Glockentürme, die an die Toten erinnern.

Neben einer Statue des einzigen erwachsenen Überlebenden besteht die Gedenkstätte aus einem „Friedhof der Dörfer“, der an die 186 im Krieg zerstörten belarussischen Dörfer erinnert, die auch nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut wurden. Die „Bäume des Lebens“ erinnern an 433 weitere Dörfer, die ebenfalls im Krieg zerstört, aber danach wieder aufgebaut wurden. Drei Birken und ein ewiges Feuer wachen über die gestorbenen Einwohner Belarus‘.

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„Friedhof der Dörfer“

Die ganze Gedenkstätte scheint ein geeigneter Ort für das Erinnern und Gedenken der Opfer des Krieges zu sein. Viel Beton schafft eine beklemmende Stimmung, der „Friedhof der Dörfer“ lässt das Ausmaß der Zerstörung zumindest erahnen. Unser Guide beschrieb zahlreiche der Gräueltaten, die an den Dorfbewohnern verübt wurden und es war sehr berührend.

Die Wahl des Ortes wurde uns mit der Nähe zu Minsk erklärt, eine zweite Theorie zieht allerdings in Betracht, dass der Ort aufgrund seiner Namensähnlichkeit mit dem Ort Katyn, einem Ort in Russland gewählt wurde. Bei dem Massaker von Katyn wurden 4400 polnische Offizieren von Angehörigen des Innenministeriums der UdSSR ermordet. Die Namensähnlichkeit könnte zur Relativierung oder Verwechslung dieses Verbrechens führen.

Ein Besuch der Gedenkstätte ist auf jeden Fall empfehlenswert, man bekommt einen Eindruck von der Grausamkeit, mit der die deutsche Armee gegen die belarussische Bevölkerung vorgegangen ist, von der Vernichtung ganzer Dörfer, der Folterung der Menschen.

Gesehen: September 2012

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